Was hat Singen mit COPD und/oder Astma zu tun?

Singen verbindet Atemtraining mit Freude und Gemeinschaft.

Beim Singen verbinden sich Atmung, Stimme und Körper auf ganz natürliche Weise. Der Ton entsteht durch einen gleichmäßigen und kontrollierten Ausatemstrom. Dabei lernen wir, den Atem bewusst und dosiert fließen zu lassen und das Ausatmen zu verlängern. Das kann dazu beitragen, die Atmung ruhiger und bewusster wahrzunehmen.

Auch die Einatmung verändert sich dabei ganz selbstverständlich: Auf ein bewusstes, verlängertes Ausatmen folgt eine entspannte und vertiefte Einatmung. So wird der Atemfluss beim Singen zu einem angenehmen Training, ohne dass er sich wie eine Übung anfühlen muss.

Die Schwingungen und Resonanzen beim Singen können zudem das Lösen und Abhusten von Schleim unterstützen.

Das Besondere daran: Was der Atmung guttut, macht gleichzeitig Freude. Singen ermöglicht es, die eigene Stimme und den eigenen Körper zu erleben, sich musikalisch auszudrücken und gemeinsam mit anderen etwas entstehen zu lassen.

Singen bei COPD - Atmung vertiefen, Lebensfreude steigern

Warum sollten Menschen, die kaum genug Luft zum Atmen haben, auch noch singen? Was so paradox klingt, hat jedoch handfeste medizinische Gründe. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Singen den Krankheitsverlauf bei COPD günstig beeinflussen kann.

Denn wer singt, muss lernen, seinen Ausatem-Luftstrom wohl zu dosieren und übt somit ein rhythmisches und vertiefendes Atemmuster ein, dass bei COPD vorteilhaft sein kann. Dass das Singen nicht nur die Atmung trainiert“, sondern auch sehr viel Freude und Gemeinschaftssinn in sich trägt, macht es für viele Menschen mit COPD zu einer beliebten Ergänzung neben der medikamentösen Therapie.

Was sagen Ärzte und Studien zum Singen bei Lungenerkrankungen?

Viele Patienten mit der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung COPD leiden trotz Rauchstop und Medikamenten unter Atemnot, die ihre Alltagsaktivitäten und Mobilität einschränkt und dadurch soziale Isolation, Depressionen und Ängste verursachen kann. Durch aktives Singen - z.B. durch die regelmäßige Teilnahme an einer Gesangsgruppe - können Betroffene ihre Atemnot lindern und ihre Lebensqualität verbessern. „Singen fördert erstens das Erlernen einer besseren Atemtechnik, was die Atemnot der Patienten verringern hilft, und fördert zweitens den Umgang mit anderen Menschen, was dazu beitragen kann, mögliche Depressionen, Ängste und eine Vereinsamung der Patienten zu verhindern“, erläutert Dr. Andreas Hellmann, Vorsitzender des Bundesverbands der Pneumologen (BdP) und praktizierender Lungenfacharzt in einer Augsburger Gemeinschaftspraxis. Diese Effekte, die bisher nur in einzelnen, kleineren Studien aufgezeigt wurden, sind jetzt in einer aktuell veröffentlichten Übersichtsstudie nachgewiesen worden, die sechs verschiedene Untersuchungen zu den Effekten einer regelmäßigen Teilnahme an einer Gesangsgruppe auf die Lebensqualität von COPD-Patienten analysiert hat.

 

Zwar kann Singen nicht direkt die Lungenfunktion und körperliche Belastbarkeit von COPD-Patienten verbessern. „Richtiges Singen zu erlernen, erfordert aber eine gute Kontrolle über die eigene Atmung und Körperhaltung. Dadurch erlernen die Teilnehmer einer Gesangsgruppe, ihren Atem besser zu nutzen, wodurch sie auch ihre körperliche Fitness steigern können“, erklärt Dr. Hellmann. Beim Singen lernt man, tiefere Atemzüge zu nehmen, und trainiert dadurch die Atemmuskulatur, insbesondere das Zwerchfell. „Außerdem macht Singen Spaß, was ebenfalls die Lebensqualität steigert. So lässt sich das Atemtraining mit dem Angenehmen und Positiven verbinden. Insgesamt zeichnet sich in der aktuellen Überblicksstudie ab, dass Singen positive psychische, physische und soziale Effekte für COPD-Patienten hat und zudem frei von unerwünschten Nebenwirkungen ist“, betont Dr. Hellmann.